Lernen über Grenzen hinweg

von Redaktion Redazione

Politikerinnen und Politiker tauschen sich regelmäßig mit verschiedenen Personen und Interessensgruppen aus, manchmal gibt es auch Treffen in anderen Regionen, Ländern oder Parlamenten. So wie sich kürzlich eine Gruppe Südtiroler Landtagsabgeordnete über die Ungarndeutsche Selbstverwaltung informierte. Doch wozu dient das?

Anfang Oktober 2026 besuchte eine Delegation des Südtiroler Landtages unter der Leitung von Landtagspräsident Angelo Gennaccaro Ungarn. Dort informierten sich die Abgeordneten über die Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen. Es handelt sich bei diesen um die zweitgrößte Minderheit in Ungarn nach den Roma. Die Ungarndeutschen leben vor allem in der Umgebung von Budapest und in Transdanubien.

Auch dort, genaugenommen in der Stadt Fünfkirchen (ungarisch Pécs), hatte die Südtiroler Delegation Arbeitstreffen, u.a. besuchte sie das Valeria‑Koch‑Bildungszentrum, das zentrale ungarndeutsche Schulzentrum. Unter den weiteren Terminen waren die Besichtigung des Parlaments in Budapest, wo die Südtiroler Delegation vom Parlamentssprecher der Ungarndeutschen, Gregor Gallai, empfangen wurde, und ein Austausch mit der Vorsitzenden sowie der stellvertretenden Vorsitzenden der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen, Ibolya Hock‑Englender und Olivia Schubert.

Online- vs. analoge Treffen

Doch wenn Politikerinnen und Politiker – so wie in diesem Fall – auf Delegationsreise gehen, fragen sich viele: Warum ist das überhaupt notwendig? Könnte man nicht einfach eine Videokonferenz machen? Oder sich über die Medien informieren?

Das ist auf jeden Fall möglich. Dennoch haben persönliche Treffen nach wie vor einen großen Wert. Delegationsreisen ermöglichen es, andere Regionen, Länder und politische Systeme direkt kennenzulernen. Wer vor Ort ist, kann Projekte besichtigen, mit Fachleuten sprechen und sich ein eigenes Bild machen.

Wenn Delegationsreisen auch Zeit und Geld kosten, so sind solche Kontakte gerade für ein Land wie Südtirol wichtig. Viele Themen betreffen heute nicht mehr nur ein einzelnes Land oder eine einzelne Region. Klimaschutz, Mobilität, Bildung oder der Umgang mit neuen Technologien beschäftigen Menschen in ganz Europa. Durch den Austausch können Politikerinnen und Politiker erfahren, welche Lösungen anderswo bereits funktionieren und welche Fehler man vermeiden sollte.

Delegationsreisen dienen aber nicht nur dem Sammeln neuer Ideen. Sie helfen auch dabei, Kontakte aufzubauen und das gegenseitige Verständnis zu stärken. Oft entstehen daraus langfristige Kooperationen zwischen Regionen oder Institutionen.

Klarer Zweck, konkrete Ergebnisse

Natürlich müssen Delegationsreisen gut geplant sein. Sie sollen einen klaren Zweck haben und konkrete Ergebnisse bringen. Dann sind sie weit mehr als bloße Dienstreisen: Sie helfen dabei, Erfahrungen auszutauschen, neue Perspektiven kennenzulernen und bessere Entscheidungen für die Zukunft zu treffen.

Denn oft gilt: Wer über den eigenen Tellerrand blickt, findet die besten Ideen für zu Hause. Und so macht sich der Südtiroler Landtag mitunter auf Reisen – ebenso wie Delegationen von außerhalb im Landtag in Bozen empfangen werden.