Cool bleiben! Warum Hitzeschutz jetzt ein Politikthema ist

von Petra Caldonazzi - Redakteurin

Der heißeste Sommer aller Zeiten ist zu Ende, die Klassenzimmer sind nicht mehr brütend heiß und die Hitzewellen sind vorbei – für heuer. Doch die extremen Temperaturen werden wiederkehren, deshalb darf das Thema nicht vernachlässigt werden. Kürzlich diskutierte der Südtiroler Landtag darüber.

Der Sommer 2026 ist zwar inzwischen Geschichte, doch die extrem hohen Temperaturen und Hitzewellen, die ihn charakterisiert haben, sind nur schwer zu vergessen. Die Hitze hat den Alltag vieler Menschen beeinflusst. Besonders ältere Menschen, Kinder, Kranke und alle, die draußen gearbeitet haben, haben darunter gelitten. Deshalb hat sich auch der Südtiroler Landtag in seiner September-Sitzungsfolge 2026 im dem Thema beschäftigt – gleich zwei Beschlussanträge* waren dazu vorgelegt worden.  

Zwei Anträge, ein (ähnliches) Ziel

Der erste Antrag mit dem Titel Extreme Hitze gefährdet Patient*Innen und Mitarbeiter*innen in den Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen: Hitzeschutz dringend geboten kam vom Team K. Darin wurde ein landesweiter Hitzeschutzplan mit klaren Zuständigkeiten, Kommunikationswegen und Sofortmaßnahmen für Hitzewellen gefordert. Außerdem sollen Krankenhäuser, Seniorenheime und andere Gesundheitseinrichtungen eigene Konzepte entwickeln, um Patientinnen, Patienten und Mitarbeitende besser vor den Folgen extremer Hitze zu schützen. Auch technische und bauliche Maßnahmen wurden vorgeschlagen.

Für Franz Ploner (Team K), Erstunterzeichner des Antrags, ist die Sache klar: Der Klimawandel sei bereits spürbar und die Zahl der Hitzetage nehme zu. Besonders gefährdete Menschen bräuchten deshalb besseren Schutz. Er verwies darauf, dass hohe Temperaturen auch Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen vor große Herausforderungen stellen.

Der zweite Antrag, der den Titel Südtirol braucht einen Hitzeschutzplan hatte, war von der Grünen Fraktion eingebracht worden. Sie verlangte einen verbindlichen Hitzeschutzplan für ganz Südtirol, kommunale Hitzeschutzpläne für alle Gemeinden, freien Zugang zu den Badeseen im Land, mehr Trinkwasserstellen, mehr Schatten an öffentlichen Orten und gekühlte Räume in Schulen, Seniorenheimen und öffentlichen Gebäuden. Zusätzlich soll ein Netzwerk sogenannter „Cool Zones“ entstehen, also Orte, an denen sich Menschen bei extremer Hitze kostenlos abkühlen können.

Zeno Oberkofler (Grüne Fraktion), Erstunterzeichner des Antrags, betonte, dass Hitzeschutz auch eine soziale Frage sei: Wer sich eine Klimaanlage leisten könne, habe bessere Möglichkeiten, sich vor der Hitze zu schützen. Menschen mit geringem Einkommen seien dagegen oft stärker betroffen.

Das haben die Abgeordneten in der Diskussion gesagt

Die beiden Beschlussanträge wurden gemeinsam behandelt, das heißt, dass die Abgeordneten zu beiden gleichzeitig Stellung nehmen konnten.

Und so erkundigte sich in der Diskussion zunächst Bernhard Zimmerhofer (Süd-Tiroler Freiheit), wie Hitzetote erfasst werden und äußerte Zweifel an der Aussagekraft entsprechender Statistiken.

Madeleine Rohrer (Grüne Fraktion), Mitunterzeichnerin des zweiten Beschlussantrags, betonte, dass Vorsorgemaßnahmen rechtzeitig geplant werden müssten, und sprach sich deshalb für die Einführung eines Hitzeschutzplans für Südtirol aus.

Sven Knoll (Süd-Tiroler Freiheit) wies auf die Notwendigkeit eines langfristigen Monitorings hin und forderte einen ganzheitlichen Ansatz beim Hitzeschutz unter Berücksichtigung von Raumplanung und Bauweise.

Jürgen Wirth Anderlan (JWA Wirth Anderlan) kündigte seine Unterstützung für beide Anträge an, warnte jedoch davor, den Klimawandel zum Anlass für Panikmache zu nehmen, und verwies auf die Anpassungsfähigkeit des Menschen.

Sandro Repetto (PD – Demokratische Partei) bezeichnete Hitzewellen als ernstzunehmende Gefahr für die Gesundheit, sprach sich für den Schutz der arbeitenden Bevölkerung aus und unterstützte beide Anträge.

Renate Holzeisen (Vita) erklärte ihre Zustimmung zu beiden Anträgen und hob hervor, dass insbesondere Menschen in Städten stark unter den hohen Temperaturen litten.

Brigitte Foppa (Grüne Fraktion), Mitunterzeichnerin des zweiten Beschlussantrags, unterstrich die Dringlichkeit von Maßnahmen gegen die Erderwärmung und sprach sich dafür aus, wieder vom „Treibhauseffekt“ statt vom „Klimawandel“ zu sprechen.

Rosmarie Pamer (SVP) berichtete, dass die Hitze auch in der Senioren- und Kinderbetreuung spürbar gewesen sei, und verwies auf bereits bestehende Förderungen für Gemeinden und Schutzmaßnahmen. 

Harald Stauder (SVP) hob die Leistungen der Gemeinden in dem Bereich hervor und stellte die Frage, ob zusätzliche zentrale Vorgaben überhaupt notwendig seien.

Paul Köllensperger (Team K), Mitunterzeichner des ersten Beschlussantrags, unterstützte beide Anträge und forderte verstärkte Maßnahmen zum Schutz älterer Menschen sowie zur Reduzierung der Hitzebelastung in Städten.

Die Replik der Landesregierung

Da die Beschlussanträge die Zuständigkeit mehrerer Landesregierungsmitglieder betrafen, ergriffen für die Replik der Landesregierung mehrere Personen das Wort: Gesundheitslandesrat Hubert Messner verwies auf bestehende und geplante Hitzeschutzmaßnahmen im Gesundheitswesen und kündigte weitere ressortübergreifende Aktivitäten an. Umweltlandesrat Peter Brunner ergänzte, dass Südtirol bereits über ein gut ausgebautes Netz öffentlicher Trinkwasserversorgungsmöglichkeiten verfüge. Bautenlandesrat Christian Bianchi erklärte, dass im Rahmen von „Building renovation“, eines Programms zur energetischen Sanierung öffentlicher Gebäude, sowie bei Neubauten auf energieeffiziente und hitzetaugliche Bauweise geachtet werde. Und Landeshauptmann Arno Kompatscher ordnete das Thema in die übergreifende Resilienzplanung des Landes ein und verwies auf die Koordinierung verschiedener Maßnahmen.

Beide Beschlussanträge wurden letztlich vom Landtag abgelehnt. Doch die Diskussion im Landtag zeigt, dass extremes Wetter längst kein Zukunftsszenario mehr ist – und dass das Thema Hitzeschutz die Politik auch in Zukunft beschäftigen wird.

* Politische Dokumente, mit denen die Landesregierung oder der Landtag zu bestimmten Maßnahmen aufgefordert wird.