Frauen fehlen dort, wo Zukunft programmiert wird

von Redaktion Redazione

Künstliche Intelligenz und andere neue Technologien und Innovationen prägen unser Leben. Doch wer arbeitet eigentlich an diesen Zukunftsthemen? Ein Blick auf die Zahlen zeigt: Frauen sind in Wissenschaft und Technik noch immer deutlich unterrepräsentiert – auch in Südtirol.

Wer programmiert unsere Zukunft? Wer entwickelt Künstliche Intelligenz, forscht an neuen Technologien oder entscheidet mit, wie Innovation unsere Gesellschaft verändert? Ein Blick auf die Zahlen zeigt: Frauen sind in diesen Bereichen nach wie vor deutlich unterrepräsentiert.

Darauf macht Südtirols Gleichstellungsrätin Brigitte Hofer aufmerksam. Internationale Daten von UNESCO und dem Weltwirtschaftsforum zeigen seit Jahren ein ähnliches Bild: Weltweit liegt der Anteil von Frauen in Forschung und Entwicklung bei unter 33 Prozent. Besonders groß ist der Unterschied im Bereich der Künstlichen Intelligenz. Dort sind nur rund ein Viertel der Beschäftigten Frauen, in Führungspositionen sogar deutlich weniger als 15 Prozent.

Gerade in jenen Bereichen also, die unseren Alltag, den Arbeitsmarkt und politische Entscheidungen immer stärker beeinflussen, sitzen vor allem Männer an den Schalthebeln. „Dort, wo die Zukunft programmiert wird, sind Frauen massiv unterrepräsentiert“, betont Hofer.

Wie sieht es in Südtirol aus?

In Südtirol ist die Situation ähnlich. Der Genderreport Südtirol 2024 von Eurac Research zeigt: Frauen erreichen zwar hohe Bildungsabschlüsse, sind aber in technisch-naturwissenschaftlichen Studiengängen, in Forschungsberufen und in leitenden Funktionen deutlich seltener vertreten.

„Das liegt nicht daran, dass Mädchen weniger talentiert oder interessiert wären. Vielmehr spielen alte Rollenbilder, stereotype Vorstellungen und männlich geprägte Arbeitskulturen eine große Rolle“, erklärt Gleichstellungsrätin Hofer. Dazu kämen unsichere Karrierewege in der Forschung und die noch immer schwierige Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Viele hochqualifizierte Frauen verlassen deshalb Wissenschaft und Technik früher, als sie eigentlich möchten.

Warum uns das alle betrifft

Die ungleiche Verteilung hat auch finanzielle Folgen. Berufe in Forschung, Technologie und Innovation gehören meist zu den besser bezahlten Jobs. Wenn Frauen dort seltener vertreten sind, verstärkt das bestehende Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen – der sogenannte Gender-Pay-Gap bleibt bestehen.

Für Hofer ist klar: Das Problem ist nicht individuell, sondern strukturell. Es geht also nicht um einzelne Entscheidungen, sondern um Rahmenbedingungen, die geändert werden müssen. Zahlen allein reichen nicht – sie müssen ernst genommen und in konkrete Maßnahmen umgesetzt werden.

Was kann sich ändern?

Eine wichtige Rolle spielt die Schule. Wenn Mädchen früh erleben, dass Technik, Informatik oder Naturwissenschaften auch „ihr Ding“ sein können, öffnen sich neue Perspektiven. Sichtbare Vorbilder sind dabei entscheidend – von historischen Forscherinnen wie Marie Curie oder Lise Meitner bis hin zu heutigen Wissenschaftlerinnen.

Gleichstellung in Wissenschaft und Technologie passiert nicht automatisch. Sie braucht gezielte Förderung, politische Verantwortung und den Abbau von Hürden – von der Schule über die Ausbildung bis ins Berufsleben.

Denn am Ende geht es um mehr als nur Zahlen: Es geht darum, wer mitentscheidet, wie unsere Zukunft aussieht. Und diese Zukunft sollte von allen mitgestaltet werden.