In seiner Mai-Sitzungswoche 2026 hat der Südtiroler Landtag mit einer Änderung des Wahlgesetzes den Weg für die elektronische Wahl geebnet – falls die technische Umsetzung gelingt, soll das E-Voting erstmals bereits bei den Landtagswahlen 2028 möglich sein. Damit wäre Südtirol die erste Region Italiens, die diesen Schritt wagt. Besonders profitieren von der neuen Art der Wahl werden jene Wahlberechtigten, die sich am Wahltag nicht in Südtirol befinden – etwa Studierende, Berufspendlerinnen und -pendler oder im Ausland lebende Südtirolerinnen und Südtiroler.
Landeshauptmann Arno Kompatscher, der den Gesetzesvorschlag eingebracht hatte, erklärte im Landtag, dass die elektronische Wahl eine moderne Ergänzung zur klassischen Stimmabgabe sein solle. Niemand werde gezwungen, digital zu wählen. Die traditionelle Wahl im Wahllokal werde es weiterhin geben, ebenso die Möglichkeit zur Briefwahl. Gleichzeitig müsse das E-Voting-System garantieren, dass jede Person nur einmal abstimmen könne – egal, ob online oder auf Papier.
In der Debatte unterstützten viele Abgeordnete die Digitalisierung der Demokratie, äußerten aber auch Bedenken zur Sicherheit und Fairness des Systems – gerade auch weil in der ursprünglichen Fassung der neuen Regelung, eine versuchsweise Einführung des E-Votings für im Ausland lebende Südtiroler:innen sowie die in der Stadt Bozen wohnhaften Wahlberechtigten vorgesehen war. Dies wurde letztlich so abgeändert, dass nun vorgesehen ist, dass alle Wahlberechtigten online wählen können.
Die Stellungnahmen der Abgeordneten
Sven Knoll (Süd-Tiroler Freiheit) erinnerte in der Debatte daran, dass seine Fraktion schon länger E-Voting fordere. Besonders Südtirolerinnen und Südtiroler im Ausland hätten bisher oft Probleme mit verspäteten Briefwahlunterlagen gehabt. Gleichzeitig warnte er vor möglichen Ungleichbehandlungen und forderte eine genaue technische Vorbereitung.
Alex Ploner (Team K) sprach von einem Schritt in die Zukunft und verwies auf Estland, wo digitales Wählen seit Jahren funktioniere. Zugleich mahnte er aber, dass Sicherheit und Vertrauen oberste Priorität haben müssten.
Auch Zeno Oberkofler (Grüne) unterstützte die Einführung der elektronischen Wahl. Für ihn sei entscheidend, dass Stimmen aus dem Ausland zuverlässig gezählt würden. Gleichzeitig müsse das System transparent, geheim und vor Hackerangriffen geschützt sein. Vertrauen in demokratische Prozesse sei wichtiger denn je.
Paul Köllensperger (Team K) begrüßte die elektronische Wahl ebenfalls und schlug vor, auf bereits erprobte Open-Source-Lösungen zurückzugreifen. So könne das Risiko von Rekursen oder technischen Problemen reduziert werden.
Kritischer äußerte sich Renate Holzeisen (Vita). Sie befürwortete zwar grundsätzlich das E-Voting, verlangte aber höchste Rechtssicherheit und maximale technische Stabilität. Wahlen müssten jederzeit korrekt und nachvollziehbar ablaufen.
Auch Myriam Atz (Süd-Tiroler Freiheit) mahnte zur Vorsicht. Gerade bei einer großen Zahl an Wahlberechtigten könnten Fehler schwerwiegende Folgen haben. Deshalb müsse alles im Vorfeld genau geprüft werden.
Waltraud Deeg (SVP) erinnerte daran, dass Wahlen laut italienischer Verfassung bestimmten Grundprinzipien entsprechen müssen. Technischer Fortschritt sei wichtig, noch wichtiger sei jedoch das Vertrauen in demokratische Prozesse. Beim E-Voting sei die Sicherheit entscheidend – werde diese garantiert, sei die Onlinewahl eine gute Lösung.
Bernhard Zimmerhofer (Süd-Tiroler Freiheit) lobte den Landeshauptmann für die Reform und erklärte, man müsse den ersten Schritt wagen, wenn man Veränderungen wolle. Seine Fraktion sei immer offen für technologische Entwicklungen gewesen.
Andreas Leiter Reber (Freie Fraktion) verwies darauf, dass die Digitalisierung vieles erleichtert habe – nun hoffe man auch durch das E-Voting auf eine höhere Wahlbeteiligung.
Christian Bianchi (Forza Italia – Uniti per l’Alto Adige)verwies darauf, dass man in Italien schon lange davon spreche, die Onlinewahl einzuführen – bisher sei es noch niemanden gelungen. Südtirol schaffe es nun dank der Autonomie.
E-Voting wird als Chance gesehen
Trotz unterschiedlicher Meinungen zeigte sich in der Debatte deutlich: Die Südtiroler Politik sieht in der elektronischen Wahl große Chancen. E-Voting könnte die Wahlbeteiligung erhöhen, weil Wahlberechtigte einfacher abstimmen können – auch von unterwegs oder aus dem Ausland. Lange Postwege und verlorene Briefwahlunterlagen würden wegfallen. Zudem könnte die Auszählung schneller erfolgen und man hätte weniger ungültige oder nicht zuordenbare Stimmen.
Bis zur möglichen Einführung 2028 – sollten die technischen Voraussetzungen bis dahin nicht umgesetzt werden können, werden 2033 die ersten digitalen Landtagswahlen in Südtirol stattfinden – bleiben aber noch einige Fragen offen: Wie schützt man das System vor Angriffen? Wie garantiert man das Wahlgeheimnis? Und wie schafft man Vertrauen bei den Bürgerinnen und Bürgern? Genau daran soll nun gearbeitet werden.
Klar ist bereits jetzt: Südtirol könnte bald ein Vorreiter digitaler Demokratie in Italien werden.