Die Idee eines eigenen Kinder- und Jugendlandtages für Südtirol nimmt immer konkretere Formen an. Ziel des Projekts ist es, jungen Menschen mehr Mitsprache in politischen Entscheidungsprozessen zu ermöglichen und ihr Interesse an Demokratie und politischer Bildung nachhaltig zu stärken.
Vom Beschlussantrag zum Konzept
Ausgangspunkt dafür ist ein Beschlussantrag (ein Dokument, mit dem die Landesregierung oder das Landtagspräsidium aufgefordert wird, bestimmte Aufgaben umzusetzen), der Ende 2024 im Südtiroler Landtag einstimmig angenommen wurde. Darin wird gefordert, die Beteiligung von Jugendlichen zu stärken und einen Jugendlandtag zu institutionalisieren. Auf Initiative von Landtagspräsident Arnold Schuler wurde daraufhin eine eigene Arbeitsgruppe eingesetzt.
Diese setzt sich aus Vertreterinnen und Vertretern der Landesjugendbeiräte aller drei Sprachgruppen zusammen. Gemeinsam haben sie daran gearbeitet, verschiedene Modelle zu analysieren und ein Konzept zu entwickeln, das speziell auf die Bedürfnisse Südtirols zugeschnitten ist.
Dafür hat die Arbeitsgruppe Studienfahrten nach Salzburg und ins Trentino unternommen, um sich über die dort bestehenden Jugendparlamente auszutauschen. In Salzburg erhielten die Teilnehmenden Einblicke in Strukturen, Abläufe und Herausforderungen eines bereits etablierten Modells. Präsentiert wurde das System unter anderem von Salzburgs Landtagspräsidentin Brigitta Pallauf, die gemeinsam mit Fachleuten Rede und Antwort stand.
Eine Informationsfahrt gab es auch nach Trient, wo es seit 2009 eine institutionalisierte Vertretung der Jugend auf Landesebene gibt. Das Gremium kann bei jenen Themen beraten und mitgestalten, die für junge Menschen von Bedeutung sind – darunter Bildung, Staatsbürgerkunde, Ausbildung und Arbeit, Sport sowie Kultur. Weiters kann es Vorschläge zur Jugendpolitik ausarbeiten und Stellungnahmen abgeben, u.a. zu Gesetzentwürfen.
Als weiteres Beispiel wurde das Modell des deutschen Bundeslandes Baden-Württemberg analysiert.
Diese Vergleiche helfen dabei, unterschiedliche Ansätze kennenzulernen und deren Stärken und Schwächen zu verstehen.
Vorstellung der Erkenntnisse der Arbeitsgruppe
Mitte April 2026 präsentierte die Arbeitsgruppe schließlich im Plenarsaal des Südtiroler Landtages in Bozen Landtagspräsident Schuler, Mitgliedern der Landesregierung und anderen Abgeordneten ihre Erkenntnisse.
Klar ist: In Südtirol wurde bereits mehrmals ein Kinderlandtag organisiert, für Jugendliche aber fehlt eine solche Möglichkeit zur Mitbestimmung auf Landesebene – noch. Eine solche wäre aber wichtig, um das Interesse junger Menschen an Politik und politischer Bildung zu steigern, ihnen die Teilnahme an politischen Diskussionen und Debatten zu ermöglichen, komplexe Themen zu vertiefen, ihr kritisches Denken zu fördern, ihren Anliegen Ausdruck zu verleihen und Formen der repräsentativen Demokratie zu erleben.
Gleichzeitig gilt, dass vor der Umsetzung eines solchen Gremiums sorgfältige Planung erforderlich ist. Unterschiedliche Modelle bringen jeweils eigene Herausforderungen mit sich – von organisatorischen Fragen bis hin zur langfristigen Einbindung in bestehende politische Strukturen.
Die nächsten Schritte bestehen nun darin, die gesammelten Erkenntnisse weiter auszuwerten und daraus ein tragfähiges Konzept zu entwickeln. Der Südtiroler Landtag steht dabei vor der Aufgabe, ein Modell zu schaffen, das realistisch umsetzbar ist und gleichzeitig den Ansprüchen junger Menschen gerecht wird.