Mobbing – Handeln statt wegsehen!

von Emma Nathalie Boscolo

Groß über das Problem von Mobbing zu Forschen hilft nichts. Offen darüber zu sprechen ist die einzige Lösung.

Bullismo

Es geht nicht darum, das Problem des Mobbings bzw. Cybermobbings zu beseitigen. Es geht nicht darum, die neuesten Mobbing-Vorfälle zu besprechen. Die Frage, die es hier wirklich zu beantworten gilt ist nicht, wie man eine Lösung zu diesem Problem finden kann, sondern vielmehr warum es denn nicht bereits gelöst worden ist. Immer wieder hört man von Kindern und Jugendlichen, Mobbingopfer, die sich aus jenen Gründen, die wir alle schon zu gut kennen, manchmal sogar Leben nehmen. Aber kann man solche Vorfälle denn nicht vorbeugen? Sind all diese Probleme denn nicht vermeidbar?

Das Mobbing hat nicht immer ausschließlich mit dem Opfer und dem/der Mobber/in zu tun, denn oft sind auch Familien betroffen. Das Ideal der perfekten Familie – das ist vielen noch nicht klar – existiert nicht. Wenn das Kind oder der/die Jugendliche Hilfe braucht, dann ist das Ignorieren dieses Hilferufs oder dessen Verleugnung genau das Falsche. Es ist absolut notwendig, über Probleme zu sprechen. Genau so, wie im Falle eines Vaters, der erfahren hatte, dass sein beeinträchtigter Sohn in der Schule gemobbt wurde und gleich dem Bürgermeister einen Brief schrieb mit der Bitte um Hilfe. Kurz nach der Veröffentlichung dieses Briefs haben sich auch andere Familien, dessen Kinder Mobbing-Vorfälle erlitten hatten, stark gemacht und sind vorgetreten. Nun bleibt die Frage nach dem Grund für so viel Angst zuzugeben, dass das eigene Kind gemobbt wird. Warum scheuen sich so viele Familien davor, um Hilfe zu bitten?

Mobbing ist ein gesellschaftliches Problem, das wirklich ernst zu nehmen ist. Dasselbe gilt auch für das Cybermobbing, über das viel zu oft hinweggesehen wird und das gerne heruntergespielt wird. Die Täter/innen hinter dem Bildschirm sind genauso schuldig wie „normale“ Mobber/innen. Der einzige Unterschied ist eben, dass sich der Täter/innen hinter einem Bildschirm verstecken können und Anonymität genießen. Jeder könnte ein/e potentielle/r Mobber/in sein: Eine Bekannte, ein Arbeitskollege. Es ist undenkbar, dass solche, im Schein „gute“ Menschen imstande sind, solche Hasstaten zu begehen. Mobbingopfern fällt es oft schwer, mit Freunden oder mit deren eigenen Familien über diese Vorfälle zu sprechen, was in den meisten Fällen auf Schamgefühl zurückzuführen ist. Genau deshalb ist es oft nicht leicht zu erkennen, dass sich ein/e Freund/in oder Familienangehörige/r in einer solchen Situation befindet.

Aber man muss sich vor Augen halten, dass man niemals alleine ist. Es ist nicht komisch oder falsch, jemanden um Hilfe zu bitten und mit vertrauten Personen zu reden. Alles in sich hineinzufressen und die Probleme zu ignorieren hilft nicht: Man muss offen darüber sprechen, ohne irgendwelche Folgen fürchten zu müssen.

Heute haben die Medien zwar die Macht, zu verletzen und zu kränken, aber sie können genauso auch Menschen heilen und Gutes tun: Heute gibt es sogar Apps, die erkennen können, ob man in irgendeiner Form gemobbt wird. Eine dieser Apps heißt „Bullizzapp“ und hat die Steigerung des Bewusstseins der Studierenden sowie die Vorbeugung des Cybermobbings als Ziel. Die Feststellung, dass die Einsetzung einer solchen App notwendig und sogar dringend ist, ist unendlich traurig.

Ganz alleine eine Lösung zu finden ist oft zu riskant. Jeder einzelne von uns kann dazu beitragen, gegen das allgemein verbreitete Wegsehen anzukämpfen. Es kann schwierig sein, sich jemandem anzuvertrauen, aber es ist der einzige Ausweg.