05.08.2020

Autonomie

von nodopiano
Autonomia provinciale

Unsere Autonomie

Die Autonomie Südtirols musste hart erkämpft werden. Wie das vor sich ging, kann man aus der jüngeren Geschichte Südtirols erfahren. Die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg ist geprägt vom Ringen um die Autonomie. Hier soll nun klar werden, worin die Autonomie Südtirols besteht und was das Autonomiestatut, das aus 115 Artikeln besteht, im Wesentlichen enthält.

Autonomie der Bürgerinnen und Bürger

Hier wollen wir aufzeigen, welches die Besonderheiten der Autonomie unseres Landes sind, welche Bedeutung sie hat und welche Vorteile sie uns bringt. Eines vorweg: die Autonomie Südtirols und die damit verbundenen Rechte kommen gleichermaßen allen in Südtirol lebenden Sprach- und Volksgruppen zugute. Schließlich kann Südtirol sehr viele Bereiche des alltäglichen, öffentlichen Lebens selbst regeln und verwalten. Dadurch kann besser auf die Bedürfnisse der Südtiroler Bürgerinnen und Bürger eingegangen werden.

Zweisprachigkeit

War es noch Tolomeis Plan, Südtirol zu italianisieren, so ist dank der Autonomie der Gebrauch der deutschen und der italienischen Sprache im gleichen Maße gesichert und beide Sprachen sind gleichgestellt. Eine Selbstverständlichkeit für uns fällt beispielsweise vielen Gästen, die nach Südtirol kommen, sofort auf: nämlich die zweisprachigen und mancherorts sogar dreisprachigen Ortsschilder. Aber nicht nur die Ortsnamen müssen zweisprachig (oder teils gar dreisprachig) ausgeschildert sein, auch in öffentlichen Bereichen ist die Zweisprachigkeit Pflicht.

So müssen beispielsweise die Angestellten in öffentlichen Ämtern den Zweisprachigkeitsnachweis besitzen. Die Kenntnis der zwei bzw. drei Landessprachen (deutsch, italienisch, ladinisch) ist etwa in den verschiedensten Bereichen der öffentlichen Verwaltung erforderlich. Den Nachweis der Dreisprachigkeit müssen Angehörige der ladinischen Sprachgruppe erbringen.

Proporz

Was ist nun eigentlich der so genannte Proporz? Das Autonomiestatut räumt in mehreren Bestimmungen den Menschen der drei Sprachgruppen unseres Landes, Deutschen, Ladinern und Italienern, das Recht ein, in gewissen Bereichen entsprechend dem Verhältnis ihrer zahlenmäßigen Stärke berücksichtigt zu werden.

Durch den Proporz wird also gesichert, dass sie bei der Stellenbesetzung im öffentlichen Dienst, bei der Zusammensetzung der Organe der örtlichen öffentlichen Körperschaften und bei der Verteilung von Haushaltsmitteln des Landes zu Zwecken der Fürsorge, zu sozialen und kulturellen Zwecken, wie bereits erwähnt, zum Zuge kommen.

Die Finanzen

Ohne finanzielle Absicherungen könnte die schönste Autonomie nicht funktionieren. Denn wie sollte eine Selbstverwaltung möglich sein, wenn die Geldmittel nicht vorhanden wären? Darum steht und fällt die Autonomie mit der finanziellen Ausstattung. Von ihr hängen Umsetzung und Entfaltung der Autonomie zu einem guten Teil ab. Die Verwaltungskompetenzen können durch sie wahrgenommen werden.

Südtirol verfügt aber nicht über eine volle Finanzautonomie. Wenn das Land auch über die Verwendung und den Einsatz der finanziellen Mittel bestimmen kann, so ist es bezüglich der Einnahmen doch auch vom Staat abhängig. Dieser erstattet dem Land 90 Prozent der Steuern wieder zurück, die auf Südtirols Gebiet eingehoben werden.

Selbstverwaltung

Nicht nur bei den Finanzen, sondern in den verschiedensten Lebensbereichen ist die Selbstverwaltung ein großer Vorteil. Das Autonomiestatut nützt der Bevölkerung unseres Landes umfassend in politischer, kultureller, sozialer und wirtschaftlicher Hinsicht. Dank der Autonomie ist die Verwaltung Südtirols in der Hand der Südtiroler Bürgerinnen und Bürger und der demokratisch gewählten Vertreterinnen und Vertreter des Volkes.

Das macht unsere Autonomie auch zum Vorzeigemodell für viele Minderheiten weltweit. Für jüngere Generationen in unserem Land mögen die Rechte der Autonomie selbstverständlich sein, und das ist auch gut so. Trotzdem dürfen die vielen Mühen, die dahinter stecken, nicht vergessen werden. Insbesondere Wert und Inhalte der Autonomie und die Errungenschaften gilt es zu erhalten und im Sinne der Südtiroler Bevölkerung weiter auszubauen.

Handbuch zur Autonomie

Für alle besonders Neugierigen unter euch und für all jene, die es genauer wissen wollen oder aus irgendeinem Grund etwas suchen: Hier gibt es für euch das Handbuch „Südtirols Autonomie“ zum kostenlosen Download. So habt ihr umfangreiche Informationen digital und jederzeit per Mausklick abrufbar. Außerdem liegen unter der Internetadresse des Landespresseamtes auch das Buch „Das neue Autonomiestatut“ in digitaler Form vor und das „Südtirol-Handbuch“, das jedes Jahr neu und in aktualisierter Form erscheint.

Für alle, die es dann doch lieber in klassischer Buchform mögen: Die Bücher „Südtirols Autonomie“, „Das neue Autonomiestatut“ und das „Südtirol-Handbuch“ gibt es kostenlos beim Südtiroler Landtag oder im Presseamt der Landesverwaltung in Bozen, Crispistraße 3.

E-Learning Kurs der EURAC Research

Die EURAC Research hat ein eigenes Forschungszentrum zur Südtiroler Autonomie eingerichtet, das sich „Center for Autonomy Experience“ nennt. Es erforscht die Entwicklung der Südtiroler Autonomie und will das Bewusstsein für sie und das Wissen über sie in der Bevölkerung stärken. Zu diesem Zweck hat es einen kostenlosen, englischsprachigen Online-Kurs erarbeitet, der alles Wissenswerte um unsere Autonomie zusammenfasst. Klicke hier, um am Kurs teilzunehmen.

Zudem bietet die EURAC Research auch viele interessante Schulangebote zum Thema. Hier erfährst du mehr dazu: www.autonomyexperience.org/lernen-forschen/.