Rundum zweisprachig

von Redaktion Redazione

Ein Team von Übersetzerinnen und Dolmetscherinnen sorgt beim Südtiroler Landtag dafür, dass alle offiziellen Dokumente in beiden Landessprachen vorliegen – und die Abgeordneten Diskussionen in ihrer Muttersprache folgen können

Wenn der Landtag, Ausschüsse oder andere Sitzungen im Landtag stattfinden, dürfen die Abgeordneten Deutsch oder Italienisch sprechen. Die meisten Abgeordneten entscheiden sich für Stellungnahmen in ihrer Muttersprache. Auch alle offiziellen Dokumente müssen zweisprachig vorliegen.

Dafür, dass die gesetzlich verankerte Zweisprachigkeit umgesetzt wird, sorgt das Team des Übersetzungsamts des Landtages. 13 Mitarbeiterinnen und 2 Mitarbeiter zählt das Amt – nicht alle davon sind in Vollzeit tätig.

Fünf dieser Mitarbeiterinnen sind Dolmetscherinnen, vier Übersetzerinnen. Während letztere ausschließlich schriftliche Texte übersetzen, übernehmen die Dolmetscherinnen zusätzlich die Simultanverdolmetschung des gesprochenen Wortes. Die anderen fünf Mitarbeiterinnen sind im Sekretariat und im Dienst für Wortprotokolle tätig.

Tausende Seiten von Dokumenten, hunderte Stunden Redebeiträge

Alles in allem werden im Landtag alljährlich bis zu 5.000 Dokumentenseiten übersetzt und etwa 900 Stunden simultan gedolmetscht. Für jede Stunde in der Dolmetschkabine ist im Schnitt eine Stunde Vorbereitung notwendig.

Bei der Übersetzung von Dokumenten wird nach dem 6-Augen-Prinzip gearbeitet, diese „Qualitätskontrolle“ ist grundlegend, da die Texte des Landtags am Ende druckreif sein müssen. Das heißt,

  • im ersten Schritt wird der Text von einer Person übersetzt,
  • im zweiten Schritt liest diese Person den übersetzten Text einer Kollegin/einem Kollegen laut vor, die/der anhand des Originaltextes kontrolliert, ob die Übersetzung korrekt ist und gegebenenfalls Verbesserungsvorschläge macht.
  • Im dritten Schritt wird die Übersetzung von einer weiteren Person gegengelesen.

Erst dann werden die Übersetzungen an die Abgeordneten und an andere zuständige Stellen weitergeleitet.

Seit kurzem finden sich im Werkzeugkasten der Übersetzer auch automatische Übersetzungstools. Aufgrund der erforderlichen Qualität ist jedoch nach wie vor jede Menge – wie im Übersetzungsamt scherzhaft angemerkt wird – „menschliche Intelligenz“ gefragt.

Arbeitspensum steigt stetig

In den vergangenen Jahren ist das Arbeitsaufkommen der Übersetzerinnen und Dolmetscherinnen im Landtag stetig mehr geworden. Das hängt einerseits damit zusammen, dass es immer mehr Landtagsfraktionen gibt und dadurch mehr Anfragen, Beschlussanträge und andere Dokumente eingebracht werden, die es zu übersetzen gilt.

Andererseits gibt es immer mehr Anhörungen. Bei Anhörungen geht es darum, dass die Abgeordneten mehr Informationen über für sie wichtige Themen bekommen. Dazu geben dann zum Beispiel Expertinnen und Experten, aber auch Vertreterinnen und Vertreter von Vereinen, Verbänden und anderen Organisationen ihre fachliche Einschätzung oder Meinung ab.

Zudem ist das Übersetzungsamt auch für einige der zum Landtag gehörenden Ombudsstellen und Einrichtungen tätig. Die Zahl dieser Stellen ist in der jüngeren Vergangenheit gewachsen.