Handys aus? Landtags-Diskussion über Altersgrenzen und Social‑Media‑Verbote

von Redaktion Redazione

Im Südtiroler Landtag wurde intensiv über Smartphones und soziale Netzwerke sowie damit zusammenhängende Altersgrenzen für die Nutzung diskutiert. Im Fokus: der Schutz von Kindern und Jugendlichen, Freiheit und verantwortungsvoller Umgang mit digitalen Medien.

Braucht es strengere Regeln rund um die Nutzung von Smartphones und Social Media für Kinder und Jugendliche? Mit dieser Frage hat sich der Südtiroler Landtag in seiner Februar-Sitzungsfolge 2026 in einer lebhaften Debatte beschäftigt. Auslöser war der Begehrensantrag Handys und Social Media,der von den Mehrheitsparteien SVP, Fratelli d’Italia und La Civica gemeinsam vorgelegt worden war.

Ein Begehrensantrag ist eine Aufforderung an das italienische Parlament, die italienische Regierung oder die EU in einer bestimmten Art und Weise tätig zu werden.

Mit dem behandelten Antrag wird von den Verantwortlichen in Rom gefordert, sich für strengere Regeln bis hin zu einem möglichen Social-Media-Verbot für bestimmte Altersgruppen einzusetzen sowie auf EU-Ebene einheitliche Beschränkungen für Social-Media-Plattformen anzustreben.

Was sagen die Landtagsabgeordneten?

Harald Stauder (SVP), Erstunterzeichner des Begehrensantrags, verwies in der Debatte im Landtag auf Beispiele aus Europa und Australien, wo Handys in Schulen bereits eingeschränkt oder verboten sind. Ziel sei es, internationale Erfahrungen zu nutzen und auch in Italien Schutzmaßnahmen zu verstärken.

Angelo Gennaccaro (La Civica), Mitunterzeichner des Antrags, erklärte, Kinder würden – anstatt echte Erfahrungen zu sammeln – zu viel Zeit auf Social Media verbringen. Dabei wisse man nicht genau um die Folgen eines übermäßigen Gebrauchs von Smartphones.

Deutlich kritischer gegenüber dem Vorschlag zeigte sich Sven Knoll (Süd‑Tiroler Freiheit): Für ihn gehöre Mediennutzung zu den Entwicklungen jeder Generation. Verbote würden kaum verantwortungsvolle Bürger hervorbringen.
Anna Scarafoni (Fratelli d’Italia), Mitunterzeichnerin des Antrags, betonte die Bedeutung eines Gleichgewichts zwischen digitalem und analogem Lernen. Durch das Schreiben und das Lesen auf dem Papier würden alle fünf Sinne aktiviert, deshalb sei es wichtig.

Zeno Oberkofler (Grüne) hob die Risiken früher und intensiver Bildschirmnutzung bei Kleinkindern hervor, ebenso wie die Notwendigkeit einer digitalen Bildung – insbesondere bei älteren Menschen, den junge würden sich in dem Bereich meist gut auskennen.

Jürgen Wirth Anderlan (JWA) stellte den Sinn des Begehrensantrags infrage und vermutete, die Einbringer desselben, hätten ihn nur vorgelegt, weil sie selbst auf Social Media wenig Erfolg hätten.

Skeptisch äußerte sich auch Hannes Rabensteiner (Süd‑Tiroler Freiheit), der jedoch ebenso positive Erfahrungen seiner Tochter mit einer Social-Media‑Pause schilderte. Als geeigneter als ein Verbot sähe er eine Sensibilisierung für einen korrekten Umgang.

Sandro Repetto (PD) lenkte den Blick auf die Rolle der Familien und forderte bessere Kinderbetreuung, damit Smartphones nicht als Ersatz dienen müssten. Die Nutzung von Smartphones und digitalen Medien führe zu weniger entwickelten sozialen Skills.  

Alex Ploner (Team K) verwies darauf, dass der falsche Umgang mit Social Media Probleme in der psychischen Gesundheit der Kinder bewirken könne. In Dänemark werde diesbezüglich auf eine Stärkung des Schul- und Familienfokus gesetzt – ein positiver Ansatz.

Renate Holzeisen (Vita) sprach von der Verantwortung der Eltern, die sensibilisiert werden müssten, was der Umgang mit Sozialen Medien und dem Internet im Allgemeinen betreffe. Bei Kleinkindern entwickle sich das Gehirn stark, deshalb sei die Nutzung digitaler Medien in dem Alter fatal. 

Hubert Messner (SVP) erinnerte an seine Erfahrungen als Kinderarzt und führte aus, dass soziale Medien grundsätzlich nicht schädlich seien, wohl aber die Dauer der Nutzung, die Inhalte und die Medienkompetenz Auswirkungen hätten, beispielsweise auf Gesundheit oder Soziales.

In der Replik der Landesregierung unterstrich Landesrat Philipp Achammer die Bedeutung digitaler Bildung und erinnerte daran, dass viele Schulen bereits klare Regeln hätten. Eltern würden auch Verantwortung tragen, doch es gebe vulnerable Jugendliche, bei denen die Begleitung der Eltern fehle oder es andere Schwierigkeiten gebe. Man wolle sich für den Schutz Minderjähriger einsetzen und stimme dem Antrag zu.

Der Begehrensantrag wurde vom Südtiroler Landtag schließlich mit 23 Ja‑Stimmen, 3 Nein‑Stimmen und 7 Enthaltungen angenommen.