Der Wolf muss weg! Oder doch nicht?

von Petra Caldonazzi - Redakteurin

Ein Pro und Kontra darüber, ob Südtirol wolffrei werden muss oder wir lernen müssen, mit ihm zu leben.

NOVA über das Pro und Kontra zum Wolf

Der Wolf ist in aller Munde. Auch im Landtag sorgt er immer wieder für heiße Diskussionen. In der September-Sitzung gab es gleich zwei Beschlussanträge zu diesem Thema, deren vorgebrachte Forderungen nicht hätten unterschiedlicher sein können…

Südtirol muss wolffrei werden.

Die Landtagsabgeordneten Andreas Leiter Reber und Ulli Mair von den Freiheitlichen stellen in ihrem Beschlussantrag eine klare Forderung: Der Wolf muss weg.

Das Amt für Jagd und Fischerei der Autonomen Provinz Bozen hat im Frühjahr 2019 bestätigt, dass sich mindestens 13 Wölfe in Südtirol aufhalten. Auch gibt es mindestens ein Wolfsrudel am Deutschnonsberg, das sich ganzjährig dort aufhält. Die Wolfssichtungen werden in allen Landesteilen immer häufiger und die Risse an Schafen und anderen Tieren nehmen zu. Besonders besorgniserregend ist, dass sich die Wölfe immer häufiger in der Nähe von Wohnhäusern zeigen.

In den 1970er Jahren stand der Wolf in Italien kurz vor der Ausrottung. Um sein Überleben zu sichern, haben Italien und die Europäische Union den Wolf unter Schutz gestellt – mit großem Erfolg: Heute leben wieder ungefähr 2.000 Wölfe in Italien und etwa 18.000 in ganz Europa. Bleiben die Schutzmaßnahmen aufrecht, dann ist abzusehen, dass sich der Wolf weiter verbreiten wird.

In vielen Gebieten Italiens, wie etwa im Gebiet des Apennins, sind die Höhenlagen der Gebirge nicht so dicht besiedelt, wie in Südtirol. Dort lebt der Wolf in relativ weiter Entfernung zum Menschen. Hier in Südtirol aber sind die Höhenlagen der Gebirge dichter besiedelt, sodass der Wolf dem Menschen zu nahekommt. Er bedroht daher den Lebensraum der Menschen und schadet der Landwirtschaft und dem Tourismus.

Die Freiheitlichen fordern die Landesregierung daher auf, sich für ein wolffreies Südtirol auszusprechen und sich bei der italienischen Regierung und im Parlament für eine Änderung der staatlichen Gesetze einzusetzen, damit die Entnahme des Wolfes durch Fangen und Töten ermöglicht wird. Bis diese gesetzliche Änderung durchgesetzt ist, soll die Landesregierung Maßnahmen umsetzen, mit denen der Wolf verscheucht werden kann.

Die Menschen müssen lernen, mit dem Wolf zu leben.

Die Landtagsabgeordneten Hanspeter Staffler, Riccardo Della Sbarba und Brigitte Foppa von der Grünen Fraktion sind anderer Meinung. Sie fordern in ihrem Beschlussantrag, dass die Menschen in Südtirol besser über den Wolf informiert werden.

Die Rückkehr des Wolfes in den Alpenraum ist sehr positiv für den Artenschutz. Mit seiner immer stärkeren Ausbreitung steigt aber auch die Angst und die Besorgnis bei der Bevölkerung. Vor allem wegen der immer häufigeren Risse von Schafen und anderen Tieren. Eine Ausrottung des Wolfes ist aber dennoch nicht wünschenswert. Sie wäre aufgrund der aktuellen Schutzmaßnahmen auch gar nicht möglich.

Erstrebenswerter wäre eine Lösung, die es Mensch und Wolf ermöglicht, nebeneinander zu leben. Ein erster Schritt dahin wäre, den Menschen gute und sachliche Informationen zum Wolf, seinem Verhalten und seinem Vorkommen zu vermitteln. Andere Länder im Alpenraum haben schon seit einiger Zeit angefangen, die Bevölkerung sachlich über den Wolf und andere Großraubtiere zu informieren:

  • Im Trentino gibt es ein Onlineportal zu Großraubtieren, auf dem Informationen zum Vorkommen von Bär, Wolf und Luchs zu finden sind. (https://grandicarnivori.provincia.tn.it)
  • In Deutschland wurde das Projekt „Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf“ ins Leben gerufen. Dazu gibt es eine Website, auf der alle Infos aufbereitet und zugänglich gemacht werden (https://www.dbb-wolf.de/).
  • Die Schweiz verfügt über mehrere NGOs, die sich mit dem Thema auseinandersetzen und Informationen zu Wolf und anderen Großraubtieren sammeln und verbreiten. Ein Beispiel für solch eine Organisation ist KORA. KORA plant, leitet und koordiniert Forschungsprojekte, die sich unter anderem mit dem Zusammenleben von Menschen und Raubtieren befasst. (https://www.kora.ch).

In Südtirol gibt es zwar auch eine Seite der Abteilung für Forstwirtschaft der Autonomen Provinz Bozen, auf der Informationen zu Wolf und Bär zu finden sind, allerdings ist diese Seite nur schlecht auffindbar. (http://www.provinz.bz.it/land-forstwirtschaft/fauna-jagd-fischerei/fauna/wolf-in-suedtirol.asp)

Daher fordert die Grüne Fraktion, dass die Landesregierung eine Sensibilisierungskampagne startet, mit der die Bürgerinnen und Bürger über Großraubtiere, insbesondere den Wolf aufgeklärt werden. Es sollen unterschiedliche Kanäle genutzt werden und auch Fachexpertinnen und Fachexperten zu Wort kommen.

Umfrage wird geladen…