Kinder- und Jugendanwältin: 2025 – ein Jahr, reich an Aufgaben

von Redaktion Redazione

In 12 Monaten wurden 1.470 Akten bearbeitet: Zuhören, vermitteln und sensibilisieren stehen im Mittelpunkt der Arbeit von Daniela Höller, die darüber in einer Anhörung vor dem Landtag berichtet hat.

Kinder- und Jugendschutz, Schule, Projekte und Kooperationen, nicht begleitete ausländische Minderjährige, familiäre Konflikte, Situationen mit Mehrfachproblematiken, Mobbing – darunter auch Cybermobbing – sowie Trennung und Scheidung der Eltern: Das waren die Hauptthemen von Kinder- und Jugendanwältin Daniela Höller im Jahr 2025 – und damit jene Themen, von denen Kinder und Jugendliche in Südtirol am meisten betroffen sind.

Jährliche Anhörung

Dies geht aus dem Tätigkeitsbericht 2025 der Kinder- und Jugendanwaltschaft (KIJA) hervor, der kürzlich dem Südtiroler Landtag präsentiert wurde. Einmal im Jahr müssen die beim Landtag angesiedelten Ombudsstellen – die Volksanwaltschaft mit der Antidiskriminierungsstelle, die Gleichstellungsrätin, der Landesbeirat für das Kommunikationswesen und die KIJA  – nämlich, für eine Anhörung in den Plenarsaal kommen. Das heißt, sie müssen den Landtagsabgeordneten über die von ihnen geleistete Arbeit Bericht erstatten.

Dabei hat die Kinder- und Jugendanwältin mitgeteilt, dass sie in 12 Monaten 1.470 Akten bearbeitet hat, davon 569 neue: „Gerade bei Streitigkeiten zu Hause oder Problemen in der Schule ist der Druck oft groß. Wir lassen junge Menschen mit ihren Fragen und Sorgen nicht allein“, unterstrich sie.

Ein offenes Ohr, vermitteln und sensibilisieren

Ein offenes Ohr für Kinder und Jugendliche zu haben und in Konfliktfällen zu vermitteln zählt zu den wichtigsten Aufgaben der KIJA. Daneben hat die Kinder- und Jugendanwältin aber (laut Landesgesetz Nr. 11/2020) auch die Aufgabe, für die Probleme und Rechte von Kindern und Jugendlichen zu sensibilisieren und präventiv tätig zu sein. Dazu organisierte ihr Büro auch im vergangenen Jahr Vorträge und Workshops in Schulen und erreichte damit rund 3.000 Minderjährige, darunter dank des KIJA-Botschafterprojekts auch Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter. Zudem fanden Informationsveranstaltungen für Erwachsene statt.

Daneben wurden die Social-Media-Kanäle (Facebook, Instagram) vermehrt genutzt, Stellungnahmen und Meldungen ausgearbeitet sowie die Projekte der freiwilligen Vormundinnen und Vormunde für nicht begleitete ausländische Minderjährige und der externen Ansprechperson für fremduntergebrachte Kinder und Jugendliche  weitergeführt.

Die Fragen der Abgeordneten

Im Anschluss an die Präsentation gaben einige der Abgeordneten Stellungnahmen ab und stellten Höller Fragen.

Philipp Achammer, Landesrat für deutsche Bildung, etwa schickte voraus, dass die Kinder- und Jugendanwältin sehr präsent und aktiv sei, und ergänzte, dass ihm sein Sohn nach ihrem Besuch in seinem Kindergarten von den Kinderrechten erzählt habe. Weiters bat er um Höllers Meinung zu den neuen staatlichen Vorschriften zur Sexualerziehung.

Der Abgeordnete Zeno Oberkofler (Grüne Fraktion) interessierte sich ebenfalls dafür und verwies weiters auf die große Herausforderung durch nicht begleitete ausländische Minderjährige und erkundigte sich, ob es in diesem Zusammenhang rechtliche Lücken gebe.

Der Abgeordnete Franz Locher (SVP) sprach das Thema der Nachmittags- und der Sommerbetreuung für Kinder und Jugendliche an und fragte nach, was getan werden könnte, damit sich die Kinder und Jugendlichen an den Nachmittagen nicht zu sehr mit ihren Smartphones beschäftigten.

Die Abgeordnete Waltraud Deeg (SVP) ging auf das Thema Gewalt gegen Kinder und Jugendliche und den Mangel an Fachkräften in dem Bereich an. Wie werde – so Deegs Frage – die zukünftige Entwicklung aussehen? Anschließend erwähnte sie das Problem der Fremdunterbringung deutschsprachiger Kinder aus Südtirol in anderen italienischen Regionen.

Der Abgeordnete Sandro Repetto (PD – Demokratische Partei) fragte nach der Entwicklung der Anzahl der offenen Fälle bei der KIJA. Kinder- und Jugendanwältin DanielaHöller unterstrich den Stellenwert der Sexualerziehung als Grundstein für ein gesundes Körpergefühl; es sei wichtig, seine Grenzen zu kennen, aber auch die Grenzen anderer. Sexualerziehung sei zudem Gewaltschutz. Aus diesem Grund sei die aktuelle Entwicklung besorgniserregend. Bezogen auf die Frage zu den nicht begleiteten ausländischen Minderjährigen erklärte Höller, dass es immer schwieriger sei, freiwillige Vormunde zu finden. Die Nachmittagsbetreuung sei ein wichtiges Thema: Es gelte, den Druck auf die Eltern zu verringern und in Zusammenarbeit mit den Vereinen einen Raum für Jugendliche zu schaffen, der frei von Zwängen und vom Smartphone sei. Bei der Gewaltprävention leisteten die Sozialdienste sehr viel, doch es gebe einen Personalmangel. Was die Fremdunterbringung deutschsprachiger Kinder aus Südtirol betreffe, sei es wichtig, dass diese im deutschsprachigen Raum erfolge. Die Anzahl der neuen Fälle sei mit 600 bis 700 im Jahr relativ konstant, allerdings gebe es immer mehr Fälle, die sich über einen längeren Zeitraum erstreckten.