Viele Junge Menschen kennen das Problem: Der Wecker klingelt zu früh, der Kopf ist noch im Tiefschlaf – und schon sitzt man im Unterricht. Genau darum ging es nun in der März-Sitzungsfolge 2026 des Südtiroler Landtages beim Beschlussantrag von Thomas Widmann (Für Südtirol mit Widmann). Ein Beschlussantrag ist eine Aufforderung an die Landesregierung, in einer bestimmten Art und Weise tätig zu werden.
Mit seinem Antrag schlug der Abgeordnete Widmann Pilotprojekte für einen späteren Schulbeginn vor. Wissenschaftliche Studien zeigen nämlich, dass Jugendliche morgens biologisch bedingt später wach werden und vor 9 Uhr oft kaum leistungsfähig sind. Länder wie Frankreich oder Spanien starten deshalb häufig erst zwischen 8:30 und 9 Uhr mit dem Unterricht.
Was sagen die anderen Abgeordneten dazu?
In der Diskussion ergriff zunächst Sven Knoll (Süd-Tiroler Freiheit) das Wort und erklärte, er fände einiges im Vorschlag des Kollegen nachvollziehbar, er zweifelte aber an der praktischen Umsetzbarkeit – besonders beim Schülertransport und bei Familien mit mehreren Kindern.
Knolls Fraktionskollegin Myriam Atz befürwortet spätere Beginnzeiten, warnt aber vor möglichen Folgen wie längerem Nachmittagsunterricht oder gar Samstagsschule. Auch der gemeinsame Transport verschiedener Schulstufen könne schwierig werden.
Hannes Rabensteiner, dritter Abgeordneter der Süd-Tiroler Freiheit, der sich zum Thema zu Wort meldete, erinnerte daran, auch Kindergärten bei den späteren Beginnzeiten mitzudenken.
Alex Ploner (Team K) erinnerte daran, dass das Thema schon seit Jahren diskutiert werde. Spätere Starts seien in vielen Ländern normal, doch ohne ein Gesamtkonzept – etwa für Transport und Betreuung – sei der Vorschlag in Südtirol schwer realisierbar und auch von einer Delegation der Entscheidung an die einzelnen Schulen hielt er wenig.
Angelo Gennaccaro (La Civica) verwies darauf, dass es in Bozen bereits unterschiedliche Schulanfangszeiten gibt – mit positiven Effekten für Verkehr und Busse.
Jürgen Wirth Anderlan (JWA Wirth Anderlan) gefiel der Antrag, weil er zeige, wie unnatürlich starre Schulsysteme seien: lange Zeit still sitzen, Stress erzeugend und die unterschiedlichen Talente der Schülerinnen und Schüler nicht berücksichtigend.
Zeno Oberkofler (Grüne) sah ein persönliches Dilemma: Morgens müde, aber nachmittags viele Aktivitäten. Er sprach sich für ganzheitliche Modelle und gemeinsame Momente wie ein schulisches Frühstück aus.
Oberkoflers Parteikollegin Brigitte Foppa hob Vorteile der 5‑Tage‑Woche hervor und die Bedeutung sinnvoller Nachmittagsgestaltung.
Harald Stauder (SVP) fand die Diskussion fokussiere auf zu viele Details, dabei sei der Antrag auf strategischer Ebene sinnvoll – man müsse sehen, wie andere Regionen das lösen.
Waltraud Deeg, zweite SVP-Exponentin, die sich in der Diskussion einbrachte, sprach sich für lokale Lösungen aus und fand Pilotprojekte sinnvoll, weil komplexe Themen nicht „von oben“ gelöst werden könnten. Es gebe in Südtirol einige Beispiele dafür, dass vor Ort Lösungen gefunden worden seien, die für die eigene Situation gut passten.
Renate Holzeisen (Vita) hielt wenig von Pilotschulen und plädierte generell für eine Effizienzsteigerung im Schulsystem.
Andreas Leiter Reber (Freie Fraktion) fragte nach, wie konkret die Landesregierung die im Antrag vorgeschlagenen Projekte überhaupt fördern würde, sofern Schulen ihre autonomen Spielräume nutzen wollten.
Die Landesregierung kündigte an, den Antrag anzunehmen. Bildungslandesrat Philipp Achammer, Landesrat für Deutsche Bildung, unterstützte den Kern des Antrags: Vor 8 Uhr zu beginnen, sei nicht ideal. Er stellte in Aussicht, dass die erste Stunde bei späteren Startzeiten für selbstorganisiertes Lernen genutzt werden könnte. Marco Galateo, Landesrat für Italienische Bildung, betonte, dass spätere Startzeiten je nach Gebiet unterschiedlich gut funktionieren würden.
Am Ende wurde der Antrag mit 29 Ja-Stimmen und 4 Enthaltungen angenommen.
Und wie steht ihr zum Thema?