In der Jänner-Sitzungsfolge des Südtiroler Landtages wurde über einen Beschlussantrag der PD – Demokratischen Partei mit dem Titel Emotionale und sexuelle Bildung verpflichtend in allen Stufen der Pflichtschule und in der Oberschule einführen diskutiert. Ein Beschlussantrag ist eine Aufforderung an die Landesregierung, in einer bestimmten Art und Weise tätig zu werden.
Der Vorschlag sieht vor, mit vermehrter Bildung Gewalt an Frauen zu vermindern. Durch bessere Aufklärung der Jugendlichen, würden diese ein besseres Verständnis zum Thema erlangen. Es soll also präventiv mit Hilfe von Bildung gegen Gewalt an Frauen vorgegangen werden.
Was sagen die Abgeordneten dazu?
Das sehr viele Femizide stattfinden, sei kein Geheimnis, sagte Sandro Repetto (PD), der Einbringer des Antrags, in der Debatte zum Beschlussantrag. Er ist der Meinung, dass mehr emotionale und sexuelle Bildung in Schulen die Zahl der Femizide und ganz allgemein Gewalt an Frauen verringern könnte. Finde diese Bildung nicht statt, werde grundlegende Präventionsarbeit verhindert.
Für Brigitte Foppa (Grüne) ist sexuelle Bildung beginnend ab dem Kindesalter essenziell; sie würde zudem eine Lebenslange sexuelle Bildung in Betracht ziehen. Foppa führte aus, dass das Thema viel mehr einschließe als nur das biologische Geschlecht und dass es vielseitig gestaltet werden könne.
Laut Jürgen Wirth Anderlan (JWA Wirth Anderlan) geht es im Antrag um die Gender-Umerziehung und nicht um die Verminderung von Morden an Frauen. Er unterstützte den Antrag nicht.
Waltraud Deeg (SVP) ist dafür, das Thema in der Schule zu behandeln, da man so die nächste Generation bei ihrer Entwicklung besser begleiten und stärken kann.
Sven Knoll (Süd-Tiroler Freiheit) merkte im Laufe der Debatte an, dass es in der Gesellschaft keinen Platz für Gewalt geben dürfe – egal, welches Geschlecht betroffen sei. Um das zu verstehen, brauche es weder sexuelle noch emotionale Bildung.
Alex Ploner (Team K) zeigte sich erstaunt darüber, wie tabubehaftet das Thema Sexualität nach wie vor ist. Die Gesellschaft sollte beim Thema Aufklärung mitgenommen werden.
Landesrat Philipp Achammer stimmte dem Beschlussantrag zu und war verwundert über die politische Ideologisierung des Themas durch manche Politiker. Achammer bezeichnete es als „Stumpfsinn“, wenn die sexuelle und emotionale Bildung ins Private geschoben wird. Durch die „Mündigmachung“ von Kindern und Jugendlichen durch Fachleute könne präventiv gegen Gewalt vorgegangen werden.
Landesrat Marco Galateo berichtete, dass in der Schule bereits viel getan werde und sozial-emotionale Kompetenzen Teil des Lehrplans seien. Galateo war mit der Grundidee einverstanden, würde allerdings ein paar Änderungen im Antrag vornehmen.
Der Beschlussantrag wurde vom Landtag angenommen.
Die Debatte zeigt, dass Prävention gegen Gewalt an Frauen wichtig ist – auch wenn die Wege dorthin unterschiedlich gesehen werden.
Diesen Artikel hat Maria Psenner für nova-bz.org geschrieben; sie hat im Jänner 2026 ein zweiwöchiges Praktikum im Amt für Zeremoniell, Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit des Südtiroler Landtages absolviert.