Fit für die Zweisprachigkeitsprüfung

von Redaktion Redazione

Wer in Südtirol im öffentlichen Dienst arbeiten will, braucht den Zweisprachigkeitsnachweis – doch viele treten nicht zur Prüfung an oder schaffen diese nicht. Damit es künftig besser klappt, sollen an Schulen Vorbereitungstage eingeführt werden.

Egal, ob Ärztin, Mitarbeitende eines Landesamtes oder Schalterbeamter der Post – wer in Südtirol im öffentlichen Dienst arbeitet, muss einen Zweisprachigkeitsnachweis erbringen (Dreisprachigkeitsnachweis in den ladinischen Tälern). Dieser soll sicherstellen, dass die Bürgerinnen und Bürger sich bei Behördengängen in ihrer Muttersprache verständigen können.

In diesem Sinne sind die Zweisprachigkeitsprüfungen, die seit 1977 abgehalten werden, wichtige Bausteine für die berufliche Zukunft junger Menschen in Südtirol, wie der Landtagsabgeordnete Harald Stauder (SVP) in seinem Beschlussantrag (das ist eine Aufforderung an die Landesregierung, in einer bestimmten Art und Weise zu handeln) Vorbereitung auf die Zweisprachigkeitsprüfung an Schulen schreibt. Dennoch erscheine rund ein Drittel der Angemeldeten nicht zum Prüfungstermin, und nur etwa die Hälfte derer, die antreten, bestehe. Vorbereitungstage könnten helfen, Unsicherheiten abzubauen und den Jugendlichen realistische Erwartungen zu vermitteln – und damit ihre Chancen, die Prüfung zu bestehen, zu erhöhen.

Die Forderung

Deshalb forderte Stauder in seinem Antrag, den seine Kollegen Waltraud Deeg (SVP) und Angelo Gennaccaro (La Civica) zur Unterstützung mitunterzeichnet hatten und der in der ersten November-Sitzung des Landtages behandelt wurde, dass

  • an den Schulen Vorbereitungstage auf die Zweisprachigkeitsprüfung organisiert werden,
  • und geprüft wird, ob diese künftig direkt an den Schulen abgelegt werden können.

Das sagen die Landtagsabgeordneten zum Thema

In der Diskussion unterstützte Andreas Leiter Reber (Freie Fraktion) den Vorschlag und kündigte an, einen Landesgesetzentwurf vorzulegen, mit dem die Zweisprachgkeitsprüfung fix in der vierten Klasse der Oberschule vorgesehen werden soll.

Alex Ploner (Team K) sprach dagegen von einem „Beweis des Scheiterns“ der bisherigen, von der SVP verantworteten Bildungspolitik, da man es in Südtirol nicht schaffe, den mit der Maturaprüfung ein Zertifikat auszustellen, das das Beherrschen der Zweitsprache auf einem bestimmten Niveau bestätigt. Trotzdem stimmte er dem Antrag zu.

Sven Knoll (Süd-Tiroler Freiheit) warnte, ein Zertifikat garantiere keine lebenslangen Sprachkenntnisse, und sprach sich gegen eine „verordnete Zweisprachigkeit“ aus.

Sandro Repetto (PD – Demokratische Partei) betonte, nach 13 Schuljahren müsse Zweisprachigkeit selbstverständlich sein, und forderte, dass diese als Chance gesehen werde.

Zeno Oberkofler (Grüne) hob den Wert der Mehrsprachigkeit hervor und wünschte sich gemeinsame Vorbereitungstage von deutschen und italienischen Schulen.

Myriam Atz (Süd-Tiroler Freiheit) unterstützte Punkt 1 des beschließenden Teils – die Vorbereitungstage –, sah bei Punkt 2 – der Prüfungen direkt an den Schulen – aber noch offene Fragen.

Renate Holzeisen (Vita) forderte mehrsprachige Kindergärten und besser ausgebildete Sprachlehrkräfte.

Christian Bianchi (Forza Italia – Uniti per l’Alto Adige) sprach von Zweisprachigkeit als großem Vorteil für junge Menschen und merkte an, dass in den Tälern die Italienischkenntnisse zurückgingen, während die Italiener erkannt hätten, wie wichtig es sei, Sprachen zu kennen. 

Waltraud Deeg (SVP) erinnerte daran, dass die Schülerinnen und Schüler bis zur Matura rund 2.200 Stunden Zweitsprachenunterricht hätten – es brauche deshalb keine gemischtsprachigen Schulen zum besseren Erlernen beider Landessprachen, sondern einen besseren Sprachunterricht.

Laut Jürgen Wirth Anderlan (JWA Wirth Anderlan) lässt der Zweitsprachenunterricht in den Schulen zu wünschen übrig; er selbst habe Italienisch während des Militärdienstes und als Skilehrer besser gelernt.

Brigitte Foppa (Grüne) freute sich, dass es in der Diskussion auch um die mehrsprachige Schule ging.

Philipp Achammer, Landesrat für die deutsche Bildung, kritisierte den Rückgang der Sprachkenntnisse und sprach sich klar dafür aus, die Zweisprachigkeitsprüfung unabhängig von der Matura zu fördern.

Marco Galateo, Landesrat für die italienische Bildung, verwies auf verschiedene Projekte in italienischen Schulen, durch welche die Schülerinnen und Schüler zum Erlernen der Zweitsprache motiviert werden sollen – u.a. die Tage der Zweisprachigkeit.

Landeshauptmann Arno Kompatscher lehnte eine automatische Gleichsetzung von Matura und Zweisprachigkeitsnachweis ab – Sprachen müsse man aus Interesse lernen, nicht nur für ein Zertifikat.

Der Antrag wurde einstimmig mit 31 Ja-Stimmen angenommen.